Mittwoch, 28. Januar 2009
Ohne Moos was los
Es könnte in Deutschland eine halbe Million treffen. So viele Menschen werden nach Schätzung der Bundesregierung im Laufe des Jahres in Folge der Wirtschaftskrise zusätzlich arbeitslos werden. Insgesamt wären es dann 3,5 Millionen.
Wen es trifft, der muss lernen mit weniger auszukommen. Weniger Urlaub, weniger Ausgehen, weniger Luxus. Auch weniger Kommunikation? Weniger Information? Weniger digitales Leben?
Im Internet gibt es vieles umsonst. Musik, Information, Speicherplatz. Was man vor Jahren noch kaufen musste, erhält man heute kostenlos. Eigentlich fast alles, wenn man etwas intensiver sucht. Nur für die Grundausstattung will bezahlt sein: der Computer, der Handy-Vertrag, der Internetzugang. Ersteres ist, seit es die kleinen Minicomputer gibt, ab 200 Euro zu haben, achtet man auf Qualität, ist man ab 400 Euro dabei. Handy-Vertrag und Internet-Flatrate für daheim gibt es jeweils ab rund 20 Euro im Monat. Das ist die Basis. Darunter geht es kaum. Mehr aber braucht es nicht. Hier eine Liste aller wesentlichen Dienste, die man benötigt, um in der digitalen Welt dabei zu sein.
Software für 0 Euro!
Wer den Marktführer kauft, wird arm. Keine Software ist weiter verbreitet als das Standardpaket "Office" von Microsoft mit Textverarbeitung (Word), Tabellenkalkulation (Excel) und Präsentation (Powerpoint). Wer es kauft zahlt 549 Euro. Fast genauso umfangreich aber ist zum Beispiel Open Office, Kostenpunkt hier: 0 Euro. Nicht nur für Standard-Anwendungen gibt es mittlerweile Freeware-Alternativen. Täglich kommen neue kostenlose Programme auf den Markt, für fast sämtliche Anwendungen. Wer hier auf dem Laufenden bleiben will, der kann das prima bei heise.de tun. Außerdem: Der Trend geht weg vom Download der Software auf den eigenen Rechner, hin zur Webapplikation, bei der man über den Internet-Browser die Anwendung bedient, wofür diese nicht auf den Computer geladen werden muss. Der große Vorteil: Flexibilität. Die Anwendung kann von jedem Computer mit Internetzugang verwendet werden.
Mein Favorit: Google Docs. Ersetzt Word, Excel und Powerpoint, zumindest dessen Grundfunktionen. Dass es nur die Basics des großen Bruders von Microsoft hat, bringt einen weiteren Vorteil mit sich: Google Docs ist leicht zu verstehen. Außerdem taugt es hervorragend, wenn mehrere Personen an einem Dokument arbeiten wollen. Die Share-Funktion ist simple und zuverlässig.
Musik soweit der Klick reicht!
Langsam wird es schwierig, die Übersicht über alle Musikanbieter zu behalten. Deezer, Spotify, Simfy heißen drei von vielen Angeboten, die dem Platzhirsch last.fm Konkurrenz machen. Im Grunde gibt es zwei unterschiedliche Modelle. Bei Angeboten wie last.fm hört man Musik nach Stilen. Man kann dort keine Songs explizit auswählen und abspielen, sondern nur Musikrichtungen bestimmen. Bei anderen Angeboten wie Simfy, lädt man dagegen seine eigene Musik ins Netz und teilt sie so mit ausgewählten Freunden.
Mein Favorit: laut.fm aus Konstanz. Das Konzept besteht aus einer Mischung der beiden oben genannten Varianten. Nutzer können kostenlos einen individuellen Radiostream erstellen und im Netz verbreiten. Die verwendeten Tracks kommen dabei sowohl aus dem Musikkatalog von laut.fm als auch von der Festplatte des Anwenders. Nicht zu vergessen: Natürlich gibt es auch das gute alte Radio im Internet. Alle Sender, alle Streams, alle Infos zu den Sendungen findet man gut aufbereitet bei radio-today.
Fernsehen ohne Fernseher!
Fast jeder Fernsehsender bietet mittlerweile Teile seines Fernsehprogramms in so genannten Mediatheken an. Fernsehen on Demand sozusagen. Die Auswahl aber ist meist sehr überschaubar. Besser ist dran, wer einem Computer inklusive DVBT-Empfänger hat. Der macht den Computer zum Fernseher. Ansonsten braucht es einen externen DVBT-Empfänger, der über USB angeschlossen wird. Kosten: ab 30 Euro .
Mein Favorit: Zattoo. Mit diesem kostenlosen Programm kann man Fernsehen über das Internet schauen. Alle öffentlich-rechtlichen Sender sind hier vertreten, inklusive seiner Spartenprogramme wie ZDF-dokukanal, Arte oder 3sat. Die Qualität von Bild und Ton ist mittlerweile akzeptabel. Allerdings: Von der GEZ ist man nicht befreit, wenn man über das Internet fern sieht.
Bleibe in Kontakt!
Wer-kennt-wen, StudiVZ, Facebook - Nie war es einfacher, mit seinen Freunden rund um den Globus in Kontakt zu bleiben. Für umme. Sämtliche Community-Portale verlangen, zumindest in ihrer Basisvariante, kein Geld. Das Gleiche gilt für alle anderen Kommunikationsformen im Internet. E-Mailen, Chatten, Telefonieren - für nichts muss heute noch bezahlt werden.
Meine Favoriten: Skype fürs Chatten und Telefonieren (auch Videotelefonie!); weil die Sprach- und Bildqualität akzeptabel und die Verbreitung der Software groß ist (letzteres ist entscheidend, denn der Gesprächspartner muss die gleiche Software verwenden). Facebook für den stetigen Austausch mit Freunden; weil es die meisten Funktionen bietet, zum Beispiel: Videos, die man bei Youtube favorisiert, werden automatisch im eigenen Facebook-Profil angezeigt. Nette Kleinigkeiten eben.
Sag Deine Meinung!
Jeder kann heute sein eigener Verleger sein. In Deutschland betreiben laut der Allensbacher Computer- und Technik-Analyse 8,4 Prozent der Internetnutzer ein eigenes Blog. Es braucht keine 20 Minuten, um ein solches Blog anzulegen. Das kostet bei den meisten Bloganbietern nichts. Nur wer zum Beispiel besonders viel Speicherplatz benötigt, muss extra zahlen.
Meine Favoriten: Der Marktführer Wordpress, sowie das 2003 von Google übernommene Unternehmen Blogger. Bei beiden Anwendungen braucht man keine Programmierkenntnisse, kann unter einer Vielzahl von Layouts wählen und hat dank der Übersichtlichkeit der Anwendungen schnell seinen ersten Text online stehen.
Organisiere und speichere Dein Leben!
Es ist ein Glaubenskrieg. Die einen schwören auf Papier und schreiben deshalb alle ihre Notizen, Termine, Aufgaben auf Blöcke oder in Büchlein. Die anderen organisieren ihre Leben mit Hilfe des Netzes. Beides kostet wenig bis gar nichts.
Meine Favoriten: toodledo und zenbe. Letztere Anwendung hat zudem eine komfortable Kalender- sowie E-Mail-Verwaltungsfunktion und speichert außerdem Dateien.
Apropos „Dateien speichern“: Nichts ist wichtiger als regelmäßig seine Daten zu sichern. Man kann das als Backup auf einer externen Festplatte tun oder über das Internet. Einfacher als Dropbox bietet das zur Zeit keiner an. Lädt man die Anwendung auf seinen Rechner, installiert sich automatisch ein Ordner. Alles was man in diesen Ordner legt, wird zum einen auf dem eigenen Rechner, zum anderen über das Internet auf einem Dropbox-Server gespeichert. Zudem ist es ein Kinderspiel, Dropbox-Ordner zu „sharen“, also die Dateien darin auch mit anderen zu teilen. Bis zu einer Datenmenge von 3 GB zahlt man dafür nichts.
Mittwoch, 21. Januar 2009
Neue Töne
Am Samstag ist es wieder soweit, um 20 Uhr. Die Berliner Philharmoniker spielen auf, Robert Schumann, Violinenkonzert d-Moll, unter anderem. Das Konzert ist ausverkauft. Wie meistens. Die Auslastung liegt bei 98 Prozent. Und trotzdem kann jeder dem Konzert folgen, mit Augen und Ohren - im Internet. Denn seit wenigen Wochen übertragen die Berliner Philharmoniker ihre Konzerte auf einer eigenen Webseite. Sie nennen sie die "Digital Concert Hall". Für 9,90 Euro der Abend.
Die Idee ist nicht neu. Vergangenen Sommer wurde die Aufführung der "Meistersinger von Nürnberg" bei den Bayreuther Wagner-Festspielen via Internet übertragen - für 49 Euro.
An allen Ecken und Enden sucht die Musikbranche nach neuen Einnahmequellen. Sie hat es bitter nötig. Das über Jahrzehnte prächtig funktionierende Geschäftsmodell, Tonträger der von den Plattenfirmen ausgewählten Interpreten zu verkaufen und damit die Kassen klingeln zu lassen, bricht zusammen. In den USA zum Beispiel ist der Verkauf von CDs 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent eingebrochen.
Zwar steigt in ähnlicher Größenordnung die Zahl der legalen Musikdownloads. Doch im Grunde vergleicht man Äpfel mit Birnen. Werden im Internet vor allem einzelne Songs runter geladen, werden bei CDs meist ganze Alben verkauft. Eine CD entspricht damit rund 10 Internetdownloads. „Man kann mit den reinen Umsatzstückzahlen zufrieden sein“, sagt der Chart-Chef vom „Billboard Magazine“, Silvio Pietroluongo, „aber das Modell ist im wesentlichen auf den Verkauf ganzer Alben gestützt, und der geht weiter zurück.“
Das alte Geschäftsmodell taugt nicht mehr. Das ist seit Jahren bekannt. Vor allem wegen der nicht einzudämmenden Zahl an illegalen Downloads. Für 95 Prozent der Lieder wird im Internet nicht bezahlt, beklagt der Weltverband der Phono-Industrie. Aber erst jetzt, mit dem Rücken zur Wand, entwickelt die Musikkonzerne neue Geschäftsmodelle. Sie übertragen Konzerte im Internet, gegen Gebühr, oft auch werbefinanziert. Sie kooperieren mit einer wachsenden Zahl an Online-Musikdiensten wie Last-FM und erhalten dafür Lizenzgebühren. Sie verkaufen Musik an Handy-Hersteller wie Nokia, die ihre Geräte dafür mit einer umfangreichen Liedersammlung ausstatten dürfen. Sie kümmern sich verstärkt um Live-Auftritte ihrer Künstler. Sie schließen sich zusammen, um eine gemeinsame Onlineplattform für Musikvideos zu gründen. Sie verbessern die Musikqualität der Downloads und des sofort Hörens per Stream, um neue Kunden zu gewinnen.
Erste Erfolge zeigen sich bereits in den Bilanzen. Die konkreten Branchenzahlen will der Bundesverband Musikindustrie erst Ende März vorlegen, so viel aber hat er schon jetzt verraten: 2008 hatte die Branche in Deutschland nur ein "kleineres Umsatzminus im einstelligen Bereich" zu verkraften. Was vor allem daran liege, dass die Gewinne aus Lizenzen, Konzerten und Merchandising angestiegen sind. Offensichtlich hat die Musikbranche zwar den Kampf gegen illegale Musikdownloads verloren, diese Niederlage aber hat ihr die Augen für neue Formen der Vermarktung geöffnet. Das Requiem für die Musikindustrie jedenfalls muss so schnell nicht gespielt werden. Vielleicht braucht es bald ein ganz neues Stück. Vielleicht eine Ode an das Internet.
Mittwoch, 14. Januar 2009
Kaufst Du noch, oder mietest Du schon?
Softwarekonzerne wie Microsoft und SAP müssen umdenken - Ihr altes Geschäftsmodell hat ausgedient
Satyam fällt aus dem Rahmen. Denn die Branche hat Betrug eigentlich nicht nötig. Es geht ihr gut. Vielleicht ging es Satyam nicht gut genug. Oder zu gut. 53 000 Menschen arbeiten für den indischen Software-Riesen. Dessen Gründer und Chef Ramalinga Raju hatte vergangene Woche zugeben müssen, über Jahre Geschäftszahlen massiv geschönt zu haben. Von den 53,6 Milliarden Rupien (800 Millionen Euro), die Satyam als Vermögenswerte in der Bilanz führe, seien 50,4 Milliarden fiktiv, räumte Raju in einem Brief an den Verwaltungsrat und die Börsenaufsicht ein und trat noch am selben Tag zurück. Die Satyam-Aktien stürzten um 80 Prozent ab (mehr zum Bilanzskandal, hier).
"Ich habe einen Tiger geritten, ohne zu wissen, wie ich absteigen kann, ohne gefressen zu werden", schreibt Raju in dem Brief. Er habe die Zahlen geschönt, um eine Übernahme Satyams zu erschweren.
Wie gesagt, eigentlich hat die Software-Branche einen solchen Betrug nicht nötig. In Deutschland zum Beispiel rechnet der Branchenverband Bitkom damit, dass trotz Wirtschaftskrise der Umsatz mit und rund um Software dieses Jahr um 3,1 Prozent auf 48,5 Milliarden Euro zulegen wird.
Weltweit hat der Markt allein für Unternehmenssoftware 2008 die 230 Milliarden-Dollar-Marke erreicht. Das entspricht einem Zuwachs von 13,9 Prozent. 2009 sollen es weitere 6,6 Prozent sein, prognostiziert die Unternehmensberatung Gartner laut der Fachseite IT-Times. Doch die sonnigen Zeiten könnten bald vorbei sein. Denn die Branche steckt mitten im Umbruch. Und dieser Umbruch hat einen kryptischen Namen: SaaS. Es ist die Abkürzung für „Software as a Service“ und meint ein Geschäftsmodell, bei dem Software lediglich als Dienstleistung bereitgestellt wird, in der Regel als Anwendung im Browser, also über das Internet.
Früher wurde Software in CD-Form verkauft. Handelte es sich um Firmensoftware musste diese auf dortigen Servern installiert werden. Damit die Buchhaltung erledigt, die Produktion geplant, die Aufträge verwaltet werden konnten. Viel Computertechnik war dafür in den Betrieben notwendig. Es musste installiert, angepasst und gewartet werden.
Zunehmend wird Software webbasiert angeboten. Die Mitarbeiter der Unternehmen müssen nur noch die entsprechende URL im Browser eingeben und schon kann mit der Anwendung gearbeitet werden. Die Software hierfür wird meist nicht mehr verkauft, sondern lizenziert, also für die Zeit der Nutzung vermietet.
Für den Lizenznehmer ist das praktisch, weil die Kosten überschaubar, hohe Anfangsinvestitionen nicht nötig sind. Einer Studie der Unternehmensberatung Saugatuck Technology zufolge mieten mittlerweile fast 40 Prozent aller Unternehmen webbasierte Software. Bis 2010 soll der Anteil auf 65 Prozent steigen.
Die Software-Firmen müssen ob dieser Entwicklung gleich mehrfach umdenken. Basis-Software fürs Internet gibt es heute meist als Open-Source, also kostenlos; weil Software-Entwickler weltweit an den Programmen mitschreiben. Darauf aufbauend, können einfachere Programmiersprachen verwendet werden als beim Programmieren kompletter Software-Produkte. Es werden folglich weniger hochqualifizierte Programmierer gebraucht. Die Entwicklungskosten für Software fallen dadurch um den Faktor 10, schätzt die Fachseite netzwertig.com.
Hinzu kommt die nicht mehr benötigte technische Infrastruktur vor Ort, womit für die Software-Firmen Einnahmemöglichkeiten für Aufbau und Wartung entfallen. Doch die größte Gefahr droht den etablierten Konzernen von noch unbekannter Seite. Nämlich von all jenen Firmen die es aktuell noch gar nicht gibt, oder die gerade entstehen. Einstiegsbarrieren für Software-Ersteller gibt es kaum noch. "Dank der stark gesunkenen Kosten können jetzt ein paar Programmierer ohne große Finanzierung durchaus ein sehr leistungsfähiges Produkt auf die Beine stellen, was früher kaum möglich gewesen wäre", meint Andreas Göldi von netzwertig.com. Die Konkurrenz in der Branche wird also zunehmen. Software-Riesen wie SAP oder Microsoft werden unter Druck geraten – zum Vorteil für die Kunden: die Auswahl nimmt zu, die Preise fallen.